Keine Lust auf Sex?

Sexuelle Lustlosigkeit ist eines der häufigsten Themen in meinen Sexualberatungen und diese betrifft, entgegen der allgemeinen Annahme, nicht nur Frauen, sondern oft auch Männer. Aber warum tritt sexuelle Lustlosigkeit immer häufiger auf, obwohl wir in einer sexuell immer freieren und offeneren Welt leben?

Erfahre in diesem Blogartikel was mit oversexed und underfucked gemeint ist, welche Ursachen sexuelle Lustlosigkeit haben kann und was du tun kannst, falls du selbst unter deiner immer weniger werdenden Lust auf Sex leidest. Zudem beschreibe ich drei Fallbeispiele aus meiner sexologischen Praxis und wie es diesen Menschen gelungen ist wieder Lust auf Sex zu haben.

“Oversexed und underfucked”

In der heutigen Welt sind wir ständig von sexuellen Bildern, Nachrichten und Erwartungen umgeben – ein Zustand, den man als "oversexed" bezeichnen könnte. Social Media, Filme, Werbung und Popkultur präsentieren ein hypersexualisiertes Bild von Beziehungen und Körpern. Trotz dieser allgegenwärtigen Präsenz von Sexualität fühlen sich jedoch viele Menschen emotional und körperlich unerfüllt, was als "underfucked" beschrieben werden kann.

Dieses Paradoxon beschreibt die Kluft zwischen der allgegenwärtigen Präsenz von Sex in unserer Gesellschaft und dem tatsächlichen, erfüllenden sexuellen Erleben. Der ständige Druck, bestimmten sexuellen Idealen zu entsprechen, kann zu Leistungsangst, Selbstzweifeln und Beziehungsproblemen führen. Menschen sind möglicherweise mit überhöhten Erwartungen konfrontiert und verlieren dabei den Zugang zu authentischer, erfüllender Intimität.

Lustlosigkeit kann sich auf vielfältige Weise äußern und hat oft tiefere Ursachen, die es zu verstehen und zu bewältigen gilt. Als Sexologin möchte ich einige mögliche Ursachen und praktische Ansätze vorstellen, wie du den Weg zurück zu einem erfüllten Sexualleben finden kannst. Als erstes kommen wir zu den möglichen Ursachen von Lustlosgkeit:

Ursachen von Lustlosigkeit

Lustlosigkeit kann durch eine Vielzahl von Faktoren verursacht werden. Häufig spielen psychologische, physische und soziale Aspekte eine Rolle:

Stress und Erschöpfung: In unserer hektischen Welt sind Stress und Erschöpfung oft die Hauptursachen für sexuelle Unlust. Der Körper und Geist sind einfach zu ausgelaugt, um sich auf Intimität einzulassen.

Beziehungskonflikte: Spannungen und ungelöste Konflikte in der Partnerschaft können die sexuelle Anziehungskraft beeinträchtigen. Kommunikationsprobleme und ungelöste Streitigkeiten tragen wesentlich dazu bei.

Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Schwankungen, wie sie während der Schwangerschaft, nach der Geburt oder in den Wechseljahren auftreten, können die Libido stark beeinflussen.

Gesundheitliche Probleme: Chronische Krankheiten, Schmerzen oder die Nebenwirkungen von Medikamenten können ebenfalls zur Lustlosigkeit beitragen.

Psychische Gesundheit: Depressionen, Angstzustände und andere psychische Erkrankungen können die sexuelle Lust erheblich mindern.

Unbefriedigende Sexualerfahrungen: Ein oft übersehener Faktor ist, dass die bisher erlebte Sexualität möglicherweise nicht erfüllend war. Wenn der Sex nicht den individuellen Bedürfnissen und Wünschen entspricht, kann dies zu Frustration und Lustlosigkeit führen. Es ist wichtig, herauszufinden, was wirklich Freude und Erfüllung bringt, und dies in die sexuelle Beziehung zu integrieren.

Wege zur Überwindung der Lustlosigkeit

Kommunikation: Offene und ehrliche Gespräche mit dem Partner/der Partnerin über Gefühle und Bedürfnisse sind entscheidend. Teile deine Ängste und Sorgen und höre auch die Perspektive deines Gegenübers.

Stressbewältigung: Finde Wege, um Stress abzubauen. Yoga, Meditation und regelmäßige körperliche Betätigung können helfen, den Geist zu beruhigen und das körperliche Wohlbefinden zu steigern.

Intimität außerhalb des Schlafzimmers: Zärtlichkeiten, liebevolle Berührungen und gemeinsame Aktivitäten können das emotionale Band stärken und eine Grundlage für körperliche Intimität schaffen.

Professionelle Unterstützung: Eine Sexualberatung kann wertvolle Einsichten und Strategien bieten, um Lustlosigkeit zu überwinden. Als Sexualberaterin begleite ich dich/euch dabei, die tieferliegenden Ursachen zu erkennen und Lösungen zu entwickeln.

Selbstfürsorge: Achte auf deinen Körper und Geist. Eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf und regelmäßige Bewegung können das allgemeine Wohlbefinden und die sexuelle Gesundheit verbessern.

Experimentieren und Neugierde: Lasse dich auf neue Erfahrungen und Fantasien ein. Manchmal kann das Ausprobieren neuer Dinge im Schlafzimmer frischen Wind in das Liebesleben bringen.

Beispiele aus der Praxis

In meinen Beratungen erlebe ich oft, dass viele Menschen den Zugang zu ihrer Sexualität verloren haben, weil sie sich selbst und ihren Körper nicht wirklich kennen. Hier sind einige Beispiele, die verdeutlichen, wie wichtig es ist, eine tiefe Verbindung zu sich selbst zu entwickeln:

Fallbeispiel 1: Eine Klientin, die jahrelang unter Lustlosigkeit litt, erkannte durch unsere Sitzungen, dass sie sich selbst nie wirklich Zeit genommen hatte ihren Körper zu erkunden. Gemeinsam entwickelten wir Übungen zur Selbstwahrnehmung und Körperakzeptanz. Durch achtsame Berührungen und das bewusste Erleben ihres Körpers konnte sie ihre sexuellen Empfindungen neu entdecken und schließlich mehr Lust empfinden.

Fallbeispiel 2: Ein Paar, das in meiner Praxis Hilfe suchte, hatte seit Monaten kaum noch sexuelle Intimität. Beide Partner fühlten sich voneinander entfremdet. Durch gezielte Kommunikationsübungen und das Erlernen von Techniken zur gemeinsamen körperlichen Achtsamkeit fanden sie wieder zueinander. Indem sie ihre eigenen und die Empfindungen des Partners bewusst wahrnahmen, konnten sie eine tiefere sexuelle Verbindung aufbauen.

Fallbeispiel 3: Ein junger Mann, der durch Leistungsdruck und gesellschaftliche Erwartungen seine sexuelle Lust verloren hatte, lernte in unseren Sitzungen, sich von diesen externen Einflüssen zu lösen. Durch die Fokussierung auf seine eigenen Bedürfnisse und die Akzeptanz seiner individuellen Sexualität fand er zu einer erfüllteren und selbstbestimmteren Sexualität zurück.

Diese Beispiele zeigen, wie entscheidend es ist, sich selbst und den eigenen Körper besser kennenzulernen. Dies kann durch verschiedene Methoden wie Achtsamkeit, körperliche Wahrnehmungsübungen und offene Kommunikation erreicht werden. Der Weg zu einer erfüllten Sexualität beginnt oft mit der Entdeckung und Akzeptanz der eigenen Bedürfnisse und Grenzen.

Ein erfülltes Sexualleben ist möglich

Lustlosigkeit ist ein weit verbreitetes Problem, das jedoch nicht unveränderlich ist. Mit Geduld, offener Kommunikation und der Bereitschaft, an sich selbst (und der Beziehung) zu arbeiten, kann die Freude an der Sexualität wiederentdeckt werden. Als Expertin stehe ich zur Seite, um auf diesem Weg zu unterstützen und gemeinsam Lösungen zu finden.

Sexualität ist ein wichtiger Bestandteil des menschlichen Lebens, und jede*r hat das Recht auf ein erfülltes und glückliches Sexleben.

Falls du unter Lustlosigkeit leidest und Unterstützung benötigst, zögere nicht mich zu kontaktieren.

Ich unterstütze dich oder euch als Paar auf eurem Weg zu einer erfüllten Sexualität.

Bild: Freepik

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